Keine Panik – Wir haben ja noch das Eis

Passieren kann es jedem. Auch dir. Ein Mensch kann schlagartig in Todesangst geraten. Wer Panikattacken nicht kennt, glaubt oft er hat einen Herzinfarkt. Aber: Keine Panik bei Panik! Wir haben Eis.

Beim Abendessen mit Kollegen wurde mir plötzlich schwindelig.“ berichtet ein anonymer Autor in einem medizinischen Forum. „Angst, eigentlich sogar Todesangst kam über mich. Dann fing mein Herz an zu rasen. Hände und Füße, Arme und Beine wurden taub. Ich wurde fast ohnmächtig. Zum Glück war ein Arzt in der Nähe und der ließ mich in eine Plastiktüte ein- und ausatmen. Dann ging es langsam wieder besser. Seitdem bekomme ich diese Anfälle aber immer wieder. Im Krankenhaus konnten keine organischen Ursachen gefunden werden.“ Diese Zustände nennen Experten Panikattacken. Sie sind der Schrei des Körpers danach zu fühlen, was die Seele nicht spürt. Wenn diese „Vergangenheit“ über einen herein bricht, gilt es einen Psychologen aufzusuchen. Doch der ist im Moment der Panikattacke erst einmal nicht da.

Nicht selten ist ein Trauma die Ursache dafür. Ein Überfall, Unfall, familiäre Gewalt, Missbrauch oder Katastrophen wie Amokläufe oder die Loveparade und ein Tag ändert ein ganzes Leben. Oft wird das Trauma anfänglich nicht bemerkt. Der Mensch lebt gut damit, bis es einen Auslöser für die Panikattacken gibt. Wenn Schlaflosigkeit, wiederkehrende Bilder und Filme (Flashbacks) und Wachzustände „wie in einem Nebelfeld“ (Dissoziation) dazu kommen ist es meist schon eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Die Betroffenen sind mit dieser Krankheit oft jahrelang belastet. Laut Stern „12 % ein Leben lang.“ (Ausg. Nr. 32, August 2011). Beim weiteren Lesen des Foreneintrages stellt sich heraus, dass der Autor früher Gewalt erlebt hat. Ausgelöst wurden die Panikattacken wahrscheinlich von seiner Arbeit auf einem Klettergerüst trotz Höhenangst. Nur die wenigsten Betroffenen werden dieses Problem schnell wieder los. Wegen psychischer Reaktionen auf schwere Belastungen werden laut statistischem Bundesamt jährlich über 68.000 in Krankenhäusern behandelt. Circa 12% davon leiden unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).

Der Betroffene schreibt, er wache sogar nachts mit pochendem Herzen auf und habe Angst. „Ich denke denn ganzen Tag an nichts anderes mehr und höre ständig mein Herz schlagen, obwohl ich mich krampfhaft bemühe mich abzulenken.“ So wird die Krankheit zum zentralen Lebensmittelpunkt. Die Angst vor der Angst wird zu einem Problem, welches das nähere Umfeld nur schwer versteht. „Du musst keine Angst haben“ ist ein Satz, der in diesem Fall leider niemandem hilft. Es ist nicht der Verstand, sondern der Körper, der in einen Zustand absoluter Alarmbereitschaft gerät und eine einem Herzinfarkt ähnlich gefühlte Lebensgefahr vortäuscht, obwohl keine reale Notsituation besteht. Oft entwickeln die Betroffenen über lange Zeiträume Vermeidungsstrategien und isolieren sich selbst. Öffentliche Veranstaltungen, der tägliche Gang zur Arbeit, sogar Bus fahren kann zum Problem werden.

Das Umfeld fühlt sich häufig überfordert. Wer von „Panikattacken“ oder „Panikstörung“ spricht, erlebt nicht selten Ausgrenzung und Mobbing. Dieses Problem löst sich nicht, wenn Angehörige sich den Betroffenen vom Leib schaffen. Häufig tun sie das nicht einmal böswillig, sondern aus Angst vor Überforderung. Hier entsteht ein gesellschaftliches Missverständnis bei dem Begriff „psychisch krank“. Wer sich nicht auskennt, könnte denken, derjenige drehe plötzlich in völliger Unzurechungsfähigkeit durch. Doch nach außen sichtbar ist meist nur das Zittern, in manchen Fällen auch Übergeben.

Der Umgang mit Panikattacken im Alltag ist im Grunde keine große Sache. Im oben beschriebenen Fall hat ein Arzt mit einer Plastiktüte geholfen. Andere „Gegenmittel“ sind starke Reize, wie Kälte oder Schärfe. Oft hilft es, sich ein Kühlpack oder Eiswürfel auf die Brust zu legen oder in trockenen Chilli zu beißen. Wenn nichts zur Hand ist, ist Kreativität gefragt. Da der Betroffene im Moment einer Panikattacke kaum denken kann, kann das Umfeld helfen. Was könnte dem Körper einen starken Gegenreiz setzen? Möglicherweise gibt es Zucker, Pfeffer, kalte Getränke oder Gegenstände. Panikattacken sind ein Problem, welches sich nicht mit dem Kopf löst. Für alles andere sind die psychologischen Experten zuständig. Doch Angst vor PTBS muss wirklich niemand haben. Wir haben ja noch das Eis.

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