„Natascha Kampusch hat Vertrauen zu mir als Journalist. Sie weiß, ich werde sie nicht verraten“

Das Spagat zwischen Distanz und Nähe. Journalisten haben zur Aufgabe, Öffentlichkeit herzustellen und gleichzeitig Privatsphäre zu achten. Oft recherchieren sie jahrelang und bauen dadurch selbst eine emotionale Bindung zu den Menschen der Berichterstattung auf. Der Journalist Christoph Feurstein zeigt bis heute beispielhaft die Professionalität im Umgang mit Traumatisierten im Fall Natascha Kampusch.

Er führte das Exklusiv-Interview mit jener Frau, deren Schicksal die ganze Welt bewegte. Am 23. August 2006 taucht die als 10-jährige entführte Österreicherin Natascha Kampusch aus Wien plötzlich wieder auf. Seit dem Tag des Verschwindens des damals kleinen Mädchens hat ORF-Journalist Christoph Feuerstein recherchiert und die Beiträge zu ihrem Fall verfasst. Als er sie das erste Mal trifft, ist es ihm, als kenne er sie schon lange. Dabei kommt die junge Frau aus einer achtjährigen Isolation. Vertrauen und Menschen sind ihr fremd geworden. Normalität und Nähe sind ihr so entfremdet, dass sie sogar Panikattacken in der U-Bahn bekommt. Mit sensibler Gesprächsführung und gleichzeitiger Wahrung der journalistischen Distanz zeigte der ORF-Journalist Christoph Feuerstein absolute Profession.

Danach wurde die Berichterstattung über den Fall einige Monate eingestellt. Noch heute begleitet Christoph Feurstein Natascha Kampusch auf ihrem Weg. Sie waren zusammen in Barcelona, treffen sich alle zwei Wochen zum Kaffee und drehen nun einen Dokumentarfilm über die Erlebnisse aus acht Jahre Gefangenschaft unter der Kontrolle eines Sexualstraftäters. Trotz jahrelanger Nähe zu Natascha Kampusch bleibt der Journalist das, was er ist: ein Journalist. Er wahr die Distanz und wägt ethische Fragen ab, während sie ihm ihre Geschichte erzählt und Geheimnisse anvertraut. „Ich bin kein Freund, und ich habe mich nie als ein solcher bei ihr angebiedert. Aber Natascha Kampusch hat Vertrauen zu mir als Journalist. Sie weiß, ich werde sie nicht verraten und sie und ihre Grenzen respektieren.“ sagt Feuerstein im Stern-Interview 2008. Im TV-Interview spricht er über seine Beziehung zu Natascha Kampusch und die journalistische Haltung.

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