Traumaüberwindung mit EMDR

Sie saß im Todeszug von Brühl. Sie hat Furchtbares gesehen. Der Schweiz-Express von Amsterdam nach Basel ist am 6. Februar 2000 mit überhöhter Geschwindigkeit entgleist. Dabei sind neun Fahrgäste ums Leben gekommen. Mit Hilfe von der Behandlungsmethode EMDR hat Ulrike Beckhardt ihr Trauma überwunden. Mitschnitt „Quarks & Co“, Quelle: YouTube

„Don’t look down!“ habe ein Amerikaner geschrien. „Ich habe natürlich doch in das Abteil runter geguckt, weil ich ja etwas suchte. Und habe dann einen Rumpf gesehen, wo wahrscheinlich der Kopf abgetrennt war.“ berichtet sie. Danach hat sie Panikattacken gehabt und ist nachts ständig wach geworden. Tagsüber sind mit sogenannten Flashback die Bilder der schrecklichen Erlebnisse dauernd ungewollt in ihre Gedanken zurück gekommen. Sie kann das Gesehene nicht vergessen. Eine Psychotherapie hilft. Doch ein Jahr später sieht Ulrike Beckhardt am 11. September die einstürzenden Türme des Word Trade Centers im Fernsehen. Danach sind die alten Synptome zurück gekommen und von Herzrasen ergänzt worden. Experten nennen diese Auslöser, die die psychische Instabilität zurück kommen lassen „Trigger“. Das können Bilder, Geräusche, Gerüche oder Worte sein.

Ein Trauma ist eine Art Wunde im Gehirn. Dem System gelingt es nicht, die Erlebnisse auf dem normalen Weg zu verarbeiten. Deshalb brauchen die Betroffenen Hilfe dabei. Die Behandlungsmethode für Trauma nennt sich „Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR)“. Es gibt drei Arten von EMDR. Der Mensch muss sich in die schlimme Situation zurückversetzen. Dann folgt eine Stimulation. Entweder mit dem Köpfhörer und verschiedenen Tönen, mit Licht und Bewegungen oder mit sogenanntem „tapping“. Das funktioniert mit wechselseitigem Klopfen auf die Handflächen oder mit Vibratoren, die der Patient in den Händen hält. Ulrike Beckhardt hat 2001 Hilfe bei dem
Diplom-Psychologen Mark Novy in Bonn gefunden. Damals ist die Therapiemethode in Deutschland noch unbekannt gewesen. Der Wissenschaftler und Traumaexperte am Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie der Universität Göttingen Prof. Dr. Stefan Jacobs ergänzt EMDR mit Biofeedback. „Durch das Biofeedback, also die Messung des Hautwiderstandes, können wir erkennen, ob die Traumatherapie wirkt. Wenn die Erregung runter geht, hat das Gehirn eine Chance sich zu normalisieren.“ Auf diese Weise habe er einer Schwimmerin, die nach einer Vergewaltigung in eine Schleuse geworfen und danach beim Klang von rauschendem Wasser ständig in Panik geriet, geholfen. Doch auch Jacobs weist darauf hin: „Das Verfahren ist im Ausland mehr anerkennt als in Deutschland. In Deutschland gibt es zu wenig Traumaexperten. Das sieht man schon an den Wartezeiten in den Kliniken. Oft ist es schwierig, überhaupt einen Therapieplatz zu bekommen. Normale Psychologen beherrschen die Behandlungsmethode nicht. Lange war es so, dass in einem fünfjährigen Studium zum psychologischen Psychotherapeuten ein Wochenendseminar für die Traumaschulung investiert wurde. Doch langsam werden die Ausbildungen für Psychotherapeuten verbessert.“

Advertisements

Schlagwörter: , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: