„Klassische ‚Nur-Psychologen’ sind mit PTBS meist heillos überfordert“

Das Webradio KenFM hat dem Thema „posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) bei Soldaten“ eine Spezialsendung gewidmet. Im Gespräch sind ein Psychologe, ein betroffener Soldat und eine Angehörige.

„Innerhalb von vier Wochen haben fünf Soldaten, die aus dem Einsatz zurück kamen und Special-Force-Kommandos angehört haben ihre  Frauen umgebracht“ sagt der Humanmediziner, Psychologe, Traumatologe und ehemalige Leiter des Bundeswehrkrankenhauses Berlin Dr. Norbert Kröger. Der Beitrag weist auf die Gefahr, Folgen und Probleme von PTBS in der Gesellschaft und Schwierigkeiten in der Diagnostik hin: „Klassische ‚Nur-Psychologen’ sind mit PTBS meist heillos überfordert“ sagt die Sprecherin der Radios.

PTBS wurde lange in Bundeswehr und Politik nicht ernst genommen, galt als Tabu-Thema zwischen den Soldaten und in der Gesellschaft. Der Sender kritisiert den dadurch entstandenen Bürokratiekrieg, den die Betroffenen durchlaufen, bevor sie Hilfe bekommen. Es wird angesprochen, die Bundeswehr habe grundsätzlich zu spät reagiert, erst 2010 einen PTBS-Beauftragten ernannt. Nach Angaben von KenFM kehren 20% der bislang 30.000 Einsatzsoldaten mit PTBS zurück.

Andreas Timmermann-Levanas Vorsitzender des Bund deutscher Veteranen und der deutschen Kriegsfürsorge multipliziert die Zahl mal vier oder fünf. Die Angehörigen müssten sich ebenfalls ständig mit dem Thema Krieg befassen, deshalb stünden sie unter ständiger Belastung. Kröger korrigiert, an einer PTBS erkranken Menschen, die extreme Situationen erleben, welche das Gehirn nicht verarbeiten kann. Für das Verarbeiten von Erinnerungen seien Träume zuständig. Menschen, die an PTBS erkranken werden von Alpträumen, Schlafstörungen, wiederkehrenden Bildern (Flashbacks) und Panikattacken geplagt. Diese Belastung führt zu massiver Selbstisolation, Trauer oder Aggressivität. Auch körperliche Folgen wie Bandscheibenvorfälle stünden in Verbindung mit dem Trauma. Die Auswirkungen betreffen die ganze Familie. Die Gründerin des Angehörigen-Selbsthilfevereins Eisblume, Birgit Klimkiewicz, erklärt als Mutter eines PTBS-Soldaten die Situation aus ihrer subjektiven Sicht.

Zum Audio-Beitrag hier klicken.

Korrektur:

Im Beitrag heißt es, PTBS trete in zivilen Fällen eher selten auf. Das könne bei schweren Unfällen oder Banküberfällen, bei denen ein Mensch als Geisel fungiert passieren. TraumaReport behält sich vor, diese Information zu korrigieren: nach Bundesamt für Statistik haben sich im Jahr 2009 insgesamt 68.524 Patienten mit eine Reaktionen auf schwere Belastungen behandeln lassen. Davon wurde bei 8.745 Fällen eine eindeutige PTBS diagnostiziert. Mit 9.086 PTBS-Diagnosen in 2010 ist ein Anstieg erkennbar. Davon sind mehr als 6.000 Betroffene weiblich. PTBS entsteht auch durch Gewaltverbrechen, Sexualdelikte und extreme Erlebnisse wie Amokläufe oder die Massenpanik bei der Loveparade.

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One response to “„Klassische ‚Nur-Psychologen’ sind mit PTBS meist heillos überfordert“”

  1. O. Weber says :

    „PTBS entsteht auch durch Gewaltverbrechen, Sexualdelikte und extreme Erlebnisse wie Amokläufe oder die Massenpanik bei der Loveparade.“ … und andere traumatische Erahrung möchte ich hinzufügen. Es ist schön, dass sch 2009 Menschen auf PTBS behandeln lassen konnten, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dasses unglaublich schwer ist, eine entsprechende Traumatherapie von der Krankenkasse bezahlt zu bekommen und viele Betroffene gerade wegen ihres Traumas gar nicht die Kraft haben, den Kampf gegen Kassen und Behörden zu führen. Insofern ist die Korrektur durch TraumaReport sicher nötig aber der eigentliche Notwendigkeit dieser Korrektur durch die genannten Zahlen nicht zu belegen.

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