Fragebogen soll bei früher Traumaerkennung helfen

Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) wird häufig nicht früh genug erkannt. Damit die Störung nicht chronifiziert, soll ein einfacher Fragebogen Ärzten, Rettungskräften und Psychologen ohne Traumakenntnisse eine Früherkennung ermöglichen.

Nach Unfällen, Gewaltverbrechen, Kriegserlebnissen, Katastrophen oder Überfällen folgt oft das jahrelange Trauma unter dem die Opfer leiden. Patienten mit Traumafolgen wie einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) sind mittlerweile gut behandelbar. Vorbeugende Maßnahmen und eine therapeutische Akut- und Langzeitbehandlung können Leiden verhindern oder lindern.

Laut Ärzte-Zeitung erkranken je nach Risikobedingungen zwischen ein und sieben Prozent der Bevölkerung im Lauf ihres Lebens an einer PTBS. Diese Form der Angststörungen sei nach Depressionen eine der häufigsten psychischen Störungen in Deutschland. Nach Krankenhausstatistik vom Bundesamt für Statistik haben sich im Jahr 2010 insgesamt 68.845 Patienten mit Reaktionen auf schwere Belastungen behandeln lassen. Davon wurde in 16.099 Fällen eine akute Belastungsreaktion diagnostiziert. Wenn eine Belastungsreaktion nach 4 Wochen Nichtbehandlung chronifiziert, wird sie zu einer PTBS. Die Krankheit zieht die Betroffenen oft jahrelang aus dem Berufsalltag und geregeltem Leben. 2010 sind die Zahlen im Vergleich zu 2009 geringfügig auf 9.086 Betroffene angestiegen. Wenn psychische Reaktionen nicht unmittelbar nach einer möglichen Traumatisierung mit den Symptomen von klassischen Traumafolgen in Zusammenhang gebracht werden können, sprechen Psychologen von einer „Anpassungsstörung“. Im Jahr 2010 gab es 42.062 Anpassungsstörungen. Problematisch ist bei dieser Diagnose die Haftbarkeit und Schadensersatz, weil die Störung nicht als direkt mit dem Trauma verbunden gilt und auch andere Ursachen haben kann.

Nach Unfällen mit Personenschaden, bei denen ein Betroffener im Krankenhaus behandelt werden muss, entwickeln etwa acht Prozent eine posttraumatische Belastungsstörung, sagte Professor Mathias Berger von der Universitätsklinik in Freiburg im Gespräch mit der Ärzte Zeitung. „Die Betroffenen sind keinesfalls Schwächlinge oder hypersensible Menschen“, sagte er. Nach einen Umfall oder Verbrechen leiden manche Menschen noch jahrelang an den psychischen Spätfolgen. Holocaust-Überlebende könnten sich häufig ein Leben lang nicht von dem Trauma erholen.

Bei traumatisierten Menschen ist der Körper in ständiger Alarmbereitschaft. Auch wenn objektiv keine Gefahr mehr besteht, reagiert er trotzdem durch auslösende Reize im Alltag, sogenannte „Trigger“, mit Stressreaktionen als Spätfolge der Gefahrensituation. Das können Zittern, Herzrasen, Panikattacken, Bauchschmerzen, Schwindel, Ohnmacht, extremes Misstrauen, Trauer oder Wut bei Alltagssituationen sein. „Voraussetzung für eine wirksame Behandlung sei, dass Risikopatienten nach einer massiven Angsterfahrung frühzeitig behandelt werden“, sagt Berger der Ärzte Zeitung.

Frühinterventionsprogramme innerhalb von drei bis sechs Monaten nach dem traumatischen Ereignis können eine Chronifizierung der Symptome verhindern und den Patienten jahrelanges Leid ersparen. Um künftig PTBS-Gefährdete früh erkennen zu können haben die Spezialisten den „Freiburger Screening Questionnaire“ entwickelt. Mit einfachen Fragen wie „Müssen Sie noch oft an den Unfall denken?“ „Haben Sie Schlafstörungen und Albträume?“ „Glauben Sie, dass der Unfall ihr Leben negativ verändert hat?“ wird die akute Belastung gemessen. Die Ergebnisse sollen zeigen, ob ein PTBS-Risiko besteht. Aktuell wird der Fragebogen in 20 Berufsgenossenschaftlichen Klinken getestet. Gefährdete werden dann zu einem Therapeuten mit Erfahrung in Traumabehandlung überwiesen.

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One response to “Fragebogen soll bei früher Traumaerkennung helfen”

  1. BM says :

    „…werden dann zu Therapeuten mit Traumaerfahrung überwiesen.“

    Das hört sich nett an. Entspricht aber so gar nicht der Realität.
    Vielleicht ist es bei akut Traumatisierten so? Ich weiß es nicht.

    Meine Realität nach über 20 Jahren Mißbrauch durch die bilogischen Erzeuger sieht so aus, dass Hilfe nicht in Sicht ist.

    Die Therapeuten, welche sie mit komplexer Traumatisierung auskennen,
    haben Wartelisten von bis zu 3 Jahren!

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