Ponys für Wahrnehmungswachstum

Die Equine Assisted Psychotherapy (EAP) gilt in Deutschland als Experiment. Sie soll die Wahrnehmung der Patienten mit Pferden auf der kognitiven, physischen und emotionalen Ebene des Gehirns schulen.

Pferdetherapeutinnen wie Claudia Swierczek aus Jühnsdorf in Brandenburg bieten eine Reittherapie für Menschen, die unter den psychischen Folgen von Kriegserlebnissen, Missbrauch, Misshandlung oder schweren Unfällen leiden. Die Equine Assisted Psychotherapy (EAP) bezieht Pferde für das persönliche emotionale Wachstum in den therapeutischen Kontext mit ein. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Lernen verschiedener Aufgaben zur Wahrnehmung und Selbsterfahrung auf der kognitiven, physischen und emotionaler Ebene. Swierzek hat Psychologie und Erziehungswissenschaften studiert, sich zur Familientherapeutin und Beraterin ausbilden lassen und sich auf die pferdegestützte Psychotherapie spezialisiert. Ihre Patienten lässt sie unter anderem verkehrt herum auf dem Pferd sitzen oder stehen. Dabei sollen Ängste überwunden werden. Traumatierte leiden oft unter Flashbacks, eine Art wiederkehrender Bilder vor dem inneren Auge, wenn sie an das Trauma erinnert werden. Diese Bilder lösen Zittern, Schwindel, Schweißausbrüche und Herzrasen aus. Diese Symptome sind für Menschen mit PTBS kaum zu ertragen. DIe Betroffenen neigen dazu, das Vertrauen in sich und die eigenen Fähigkeiten zu verlieren. So lässt Siwerzeck einen traumatisierten Soldaten beispielweise den Huf eines Pferdes abtasten. Das löst bei ihm die bildliche Erinnerung an Gasmasken und sein Trauma aus, so dass er mit einem Flashback in Panik gerät. Dadurch, dass die Klienten Vertrauen zu den Pferden fassen, sollen sie ihre Ängste überwinden und das „Vergessen“ lernen.

Pferde haben eine besonders sensible Wahrnehmung und reagieren auf Geräusche, Körpersprache, Körperspannung, Mimik, Gestik, Atmung und innere Haltung der Menschen. So können sie zum Beispiel Angst wahrnehmen. Pferde spüren auf die körperliche Anspannung des Reiters und spiegeln sein Wesen mit der eigenen Anspannung. Menschen mit PTBS stehen oft unter starker körperlicher Anspannung und haben Schwierigkeiten, die eigenen Emotionen zu spüren, da Panikattacken und Dissoziationen die Empfindungen blockieren. In der Reittherapie lernen Menschen mit PTBS das Verhalten der Pferde zu lesen und als Feedback auf ihre eigenen Reaktionen zu verstehen. Dadurch haben die Patienten die Möglichkeit der direkten Veränderung des eigenen Verhaltens. Ziel der Therapie ist es, non-verbale Kommunikation, kreatives Denken, Problemlösen, Selbstbewusstsein, Wahrnehmung, Team- und Beziehungsfähigkeit zu üben und das Selbstbewusstsein zu stärken.

Die Zeit berichtete über einen Heilungsversuch von Christian Bernhardt, einem traumatisierten Soldaten.

Zum Artikel geht es hier.

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