„Wenn ich sage, ich brauche Hilfe, hilft mir keiner“

Was ist eine Psychiatrie und was ist es nicht? Hier landen suizidgefährdete Menschen, die woanders keine Hilfe finden. Darunter sind Psychosen, aber auch Traumatisierte die unter Angstzuständen und Depression leiden. Lebensnah und realistisch werden der Alltag und Schicksale der Stationen im St. Hedwig Krankenhaus in Berlin portraitiert. 

„Wenn ich sage, ich brauche Hilfe, hilft mir keiner. Er schlägt mich, mein Bruder. Er schlägt mich.“ sagt die Stimme einer Patientin zu Beginn es Filmportraits „Zwischen Wahn und Wirklichkeit“. Sie fürchtet einen Ehrenmord. Die Polizei nehme den Bruder nicht mit, obwohl es Zeugen gegeben habe, kommt im hinteren Teil es Films heraus. Worte wie diese gehören in der Psychiatrie zum Alltag. Hier werden seelische Erkrankungen des Gehirns behandelt. Der Blick der Patienten richtet sich auf die Aussichtslosigkeit, so dass sie sterben wollen. In der Psychiatrie bekommen sie Hilfe zur Selbsthilfe im Umgang mit ihren Gefühlen. Danach müssen sie alleine ihre Schwierigkeiten bewältigen.

Zwischen Wahn und Wirklichkeit, Teil 3 (Teil 2 fehlt)

Nicht alle Menschen mit psychischen Problemen kommen in die Psychiatrie. Depressionen, Essstörungen und Traumafolgen wie die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) oder soziale Phobie werden auch in Kliniken für psychosomatische Medizin oder Kliniken für Psychotherapie behandelt. Die Masse der Patienten kommt freiwillig. Die Wartezeiten auf einen Therapieplatz dauern bis zu einem Jahr. Nur die Akutpsychiatrie behandelt psychiatrische Notfälle. Menschen, die wegen starker Selbstmordgedanken von sich aus den Rettungsdienst zur Hilfe rufen, werden in die Psychiatrie gebracht. Akute Suizidversuche wie zum Beispiel eine Überdosis Tabletten werden in der Notaufnahme aufgefangen. Psychisch am Ende seiner Kraft ist niemand grundlos. So wird zum Beispiel eine Frau aufgenommen, die „die Angst hat, dass ein Ehrenmord an ihr begangen werden soll.“ erzählt die Stationsschwester Hannelore Pollmann im St. Hedwig Krankenhaus in Berlin. Ob diese Not tatsächlich begründet ist oder nicht, interessiere in der Klinik nicht. Sie stehe unter großer Angst und habe angedroht, lieber würde sie sich mit ihrer sechsjährigen Tochter vorher selbst umbringen. Ehrenmorde in Deutschland als Tatsache können ausreichen, dass die betroffenen Frauen in wahnhafte Angstzustände geraten. Die Stimme der Frau, ist derselbe O-Ton wie zum Beginn der Dokumentation. Sie wolle nicht sterben, sagt sie. Die Klinik lässt das Kind erst einmal bei der Mutter. Danach werde die soziale Situation geklärt. „So wie ich das verstanden habe, ist er Kontakt zum Vater des Kindes ganz gut.“ sagt Pollmann. Das Krankenhaus werde versuchen, das Kind dort unterzubringen. Wenige Sätze später berichtet Pollmann, der Vater des Kindes leide an Schizophrenie und die Frau komme aus einer Ehe mit viel Missbrauch. Die erste Diagnose wird beim Schichtwechsel aufgrund der Angst, dass ihr Mann sie töten will „paranoides Syndrom“ genannt.

Ein Journalist weist sich selbst ein – Teil 4

Eine Frau, die einen Ehrenmord fürchtet, wird eingeliefert – Teil 5

Wenn es Menschen nicht gut geht, werden in der Diagnose Krisensituationen mit depressiven Phasen, psychische Störungen, Persönlichkeitsstörungen, Neurosen und Psychosen unterschieden. In der allgemeinen Station des St. Hedwig Krankenhauses in Berlin finden sich alle Krankheitsbilder der Psychiatrie. Auf die Spezialstation werden Menschen in unmittelbaren Lebenskrisen behandelt, um zu vermeiden, dass die Betroffenen längerfristig krank werden. Dort bauen die Patienten neue Kraft auf, um sich ihre Lebenssituation wieder zu stellen. Gesellschaftlich unter dem Vorurteil „Klapse“ zusammengefasst herrscht in Deutschland wenig Verständnis für Menschen, die in der Psychiatrie waren oder sind. Bei er Zuweisung in die Krankenhäuser werden Opfer und Täter voneinander getrennt. Psychisch kranke Straftäter werden im sogenannten Maßregelvollzug behandelt. Hier sind u.a. Persönlichkeitsstörungen und verschlossene Türen zu finden. Verhaltensstörungen aus der Suchtmedizin wie Alkoholsucht, Medikamenten- oder Drogenmissbrauch werden im Rahmen der Suchtmedizin behandelt. Nicht alle Krankenhäuser für psychische Gebrechen behandeln Suchtverhalten. Kinder und Jugendliche unter 21 Jahre mit Angststörungen, Depression, Magersucht, Bulimie, starkem Suchtverhalten oder posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) werden in der Jugendpsychiatrie betreut. Das trifft jedoch nicht auf alle zu. Junge Menschen, die unter den Folgen von traumatischen Erlebnissen (PTBS, Depression, Magersucht) leiden, werden auch in ganz normale Tagekliniken oder Krankenhäuser für Psychotherapie bzw. psychosomatische Medizin aufgenommen. Für Soldaten aus Kriegseinsätzen sind die Militärpsychiatrien wie die Bundeswehrkrankenhäuser in Berlin und Hamburg zuständig, mit dem Ziel, die Gesundheit von so vielen Militärangehörigen wie möglich sicherzustellen.

Ein Journalist erzählt von seinen Zwängen – Teil 6

Ein Patient berichtet von seinem Selbstmorversuch – Teil 8 (Teil 7 fehlt)

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